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Basellandschaftliche Zeitung vom 28. Juli 1969: Erdrutsch zerstört Autobahnbrücke im Diegtertal
Ein unglücklicher Stern scheint über dem Bau der N2 im
Diegtertal zu leuchten. Nachdem bereits im Februar 1967 ein Unglück im Ebenraintunnel die Arbeiten überschattet hatte und sich kurz darauf der Hang Oberburg bei Diegten auf einer Strecke von rund 200 Metern in Bewegung gesetzt hatte und die Arbeiten an der N2 wesentlich störte, erfolgte nun am Sonntagvormittag ein Bergrutsch am sogenannten "Edelweisshang" unterhalb Eptingen. Die Folgen dieser neuen Katastrophe sind noch nicht übersehbar, bewegen sich doch die Erdmassen zur Zeit noch und weitere Zerstörungen zu befürchten sind.
Das Geschehen in Kürze:
Etwa um 9.00 Uhr am Sonntagvormittag stellte der Landwirt Seiler auf seinem Landwirtschaftsbetrieb Eichenberg fest, dass sich der Hang auf dem sein Anwesen steht, in Bewegung befand. Er telefonierte sofort dem
Eptinger Gemeindepräsident Werner Thommen, welcher die zuständigen Organe der Bauleitung der N2, die Feuerwehr und die Polizei benachrichtigte, nachdem die Gewissheit bestand, dass sich unterhalb der Schanz-Fluh ein Erdrutsch abzeichnete. Von der Bauleitung wurden sofort die Baumaschinen am nördlichen Hang disloziert. Der Landwirtschaftsbetrieb Eichenberg wurde wie auch die Wohnungen in der Mineralwasser Fabrik Eptinger sowie der Garage der Automobilgenossenschaft Eptingen evakuiert. Um 09.40 Uhr kam es dann zur ersten Katastrophe, indem die Werkbrücke oberhalb der sich im Bau befindlichen Autobahn Brücke vollständig zerstört wurde. Nach einer kurzen Zeitspanne folgte der Einsturz des südlichen Pfeilers der Autobahnbrücke und um 12.45 Uhr erfolgte der Einsturz beim zweiten Pfeiler, was zur Folge hatte, dass zwei wesentliche Elemente der Brücke zerstört wurden. Nur noch zwei grosse Krane stehen vorläufig noch aufrecht im unteren Rutschgebiet, wobei der eine die Garagegebäulichkeiten der Automobilgesellschaft Sissach-Eptingen gefährdet. Bereits sind auch die Gebäulichkeiten der Mineralwasser Fabrik Eptingen teilweise zerstört worden, und weitere Zerstörungen  scheinen im Raume dieses bekannten Unternehmens unausbleiblich, da sich der Berg immer noch in Bewegung befindet. Der Diegterbach ist ebenfalls durch die Erdmassen gestaut worden und die Feuerwehren stehen im Einsatz um das Wasser ungefährdet weiterzuleiten. Das Dorf Eptingen wird zur Zeit mit Notstrom versorgt, während die Telefonleitungen bis auf wenige Ausnahmen intakt blieben.
Anlässlich einer Pressekonferenz, welche um 15.00 Uhr in den Büroräumlichkeiten der Bauleitung der N2 durch Regierungsrats-Präsident Dr. Karl Zeltner angesetzt wurde, erfuhren wir einige interessante Details über den Hergang und die Folgen des Bergsturz.
Gemeindepräsident und Landrat Werner
Thommen schilderte den Ablauf der Geschehnisse am Edelweisshang, wobei er ruhig und annerkennenswert objektiv die während des Vormittags getroffenen Massnahmen vermittelte. Dann ergriff Ingenieur Armin Ägerter das Wort, um im Namen der Bauleitung zur Katastrophe Stellung zu nehmen. Er stellte zum voraus fest, dass die Katastrophe in diesem Ausmass und in diesem Gebiet die Bauleitung überrascht hat, erwartete sie doch Schwierigkeiten im grösseren Umfang eher nördlich des Rutschgebietes. Die ganze östliche Talseite vor Eptingen, der sogenannte Edelweisshang ist ein altes Rutschgebiet. Auf Grund der geologischen Prognose und der bis 1966 zur Verfügung gestandenen Bodenuntersuchungen, die den Hang nur an der Oberfläche als rutschgefährdet beurteilten, wurde das Ausführungsprojekt ausgearbeitet. Die neuesten, weitergehenden Abklärungen mit Tiefbohrungen, die im Winter und Frühjahr 1967 durchgeführt worden waren, zwangen zu einer neuen Überprüfung, da der Hang sich als bis in grosse Tiefen rutschgefährdet erwies. Das Projekt in diesem Raum musste nochmals überarbeitet werden, wobei auch eine abgeänderte Linienführung mit durchgehendem 800 m langem Viadukt zur Umfahrung des Hanges in Erwägung gezogen wurde. Die Überprüfung ergab, dass die billigste und sicherste Lösung darin bestand, die Neigung des ganzen Hanges künstlich zu reduzieren durch grosse Anschüttung am Hangfuss und entsprechendem Abtrag im oberen Teil.
Diesen Erläuterungen technischer Art in Bezug auf das Rutschgebiet folgend, glaubt Ingenieur A. Ägerter nicht an eine Änderung der Linienführung der N2 im Anschluss an diesen Erdrutsch. Wohl wird die Instandstellung der gesamten Baustelle in diesem Raume einen nicht unterschätzbaren Einfluss auf den Termin und die Gesamtplanung haben, doch steht vorerst eine Stabilisierung der Verhältnisse im Rutschgebiet im Vordergrund. Vorläufig muss aus Sicherheitsgründen während ein bis drei Tagen auf jegliche Arbeiten auf der Baustelle Edelweiss verzichtet werden. Dies solange bis der Berg zur Ruhe kommt. A. Ägerter stellte im weiteren fest, dass der Erdrutsch nicht im Kausalzusammenhang mit dem Bau der N2 stehe, da der Erdrutsch weiter südlich der Sanierungsarbeiten am Edelweisshang erfolgte. Wie bereits eingangs erwähnt, kann im Moment weder der Umfang der sich in Bewegung befindlichen Erdmassen, noch die sicher viele Millionen erreichende Schadensumme geschätzt werden. Dr. Hansjörg Schmassmann, Geologe, gab ebenfalls seinem Erstaunen darüber Ausdruck, dass sich der Erdrutsch nicht unmittelbar über der Baustelle der N2 befindet, sondern mehr südlich erfolgte. Im weiteren werden erst noch zu erfolgende genaue Untersuchungen ergeben, ob ein Kausalzusammenhang mit den Autobahnbauten besteht.
Für das Dorf Eptingen ist der direkte Verkehr mit Autos unterbrochen, doch wird für die Benützer der Autobuslinie Eptingen-Sissach ein Fussgängerweg durch den Wald geschaffen , wo sie dann die Autobusse besteigen können. Der Fahrverkehr wird ansonsten über
Läufelfingen geleitet und die Polizei bitten alle Schaulustigen diese Strecke vorläufig nicht zu benützen um den notwendigen Verkehr nicht zu beeinträchtigen. Durch den Bergsturz mussten 16 Personen aus drei Gebäuden evakuiert werden. Auch wurden vorsorgliche Massnahmen zur Entleerung gefährdeter Öltanks getroffen. In grösster Gefahr befindet sich der Hof Eichenberg, der unmittelbar im Rutschgebiet liegt und bereits grosse Schäden aufweist. Die Gemeindebehörden und die Bevölkerung von Eptingen bangen aber auch verständlicherweise um ihren Friedhof, der gleichfalls in Gefahr ist und ebenfalls schon Risse aufweist. Noch am Sonntagabend werden sich Gemeinderat und Regierungsrats Präsident Dr. Karl Zeltner über die prekäre Lage informieren lassen, um Sofortmassnahmen ergreifen zu können.
Ein riesiger Strom von Schaulustigen bewegte sich am frühen Sonntagnachmittag das Diegtertal hinauf, doch war die Polizei mit einem Grossaufgebot zur Stelle um unter Mithilfe der Feuerwehr für Ordnung besorgt zu sein und die vielen Autos zu parkieren. umfassende Sicherheitsmassnahmen waren unumgänglich, da die Gefahr des Umstürzens des grossen Krans oder der Einsturz weiterer Teile der Autobahnbrücke jederzeit erfolgen konnte. Soweit die Situation bis Sonntagabend.
Situationsbericht vom Montagmorgen: Auch während der Nacht zum Montag nahmen die Rutschungen unterhalb Eptingen ihren Fortgang. Am Morgen um 5.15 Uhr stürzte der bergseitige Baukran über die Strasse am Dorfeingang gegen den Dangeren Hang und blockierte damit zusätzlich zu den Trümmern der Transportbrücke, die Strasse. Die Anlagen der Mineralquelle Eptingen weisen zusehends grössere Beschädigungen auf.
Der Hof Eichenberg ist zwischen Wohnhaus und Scheunenteil am auseinanderbrechen, während in der Fassade des des Wohnhauses ein grosses Loch klafft. Grösser geworden sind auch die Risse in der Friedhofsmauer. Vom Friedhof selber weist nun die Südwestecke eine starke Hangneigung auf. Über die Strasse am Dorfeingang fliesst das von der Feuerwehr oberhalb der Rutschung aus dem Diegterbach abgepumpte Wasser. Der grüne Baukran oberhalb des Gebäudes der Automobilgenossenschaft Sissach-Eptingen neigt sich etwas Richtung Edelweisshang. Über Nacht hat sich der Hangdruck nun auch auf den teilweise bereits sanierten Edelweisshang im Abschnitt des Autobahntrasses ausgedehnt. Die Transportpiste weist eine leichte Ausbuchtung auf. Auch liegen grosse Felsbrocken auf der Piste, während laufend weiteres Geröll zu Tale kollert.
Auch in Diegten rutschte der Berg infolge des Autobahnbaus
Basellandschaftliche Zeitung vom 3.03.1967: Der Bergsturz in Diegten weitet sich aus
Erneut hat sich die Lage beim Diegter Bergsturz zugespitzt. Den ganzen Donnerstag über rutschte der Berg weiter. In der Nacht auf den Donnerstag brach sogar der oberste Teil des Hanges, Teile am Felsen, ab. Kreuz und quer liegen die Tannen und die erst letzten Sommer erstellte Walderschliessungsstrasse ist nun ebenfalls völlig zerstört. Durch die gewaltigen Erdmassen die auf die Talsohle gewälzt wurden, staute sich das Wasser des Diegterbaches oberhalb der Rutschstelle zu einem wahren See und bedrohte das Wasserreservoir der Gemeinde Diegten. Es blieb am Donnerstagmittag nichts anderes mehr übrig, als die Feuerwehr aus Sissach mit der Motorspritze zu Hilfe zu rufen und das Wasser abzupumpen. Die grossen Bagger vermochten die bisher offengehaltene Wasserrinne entlang der Kantonsstrasse nicht mehr zu säubern. Zudem wäre die Gemeinde Diegten unter Umständen gefährdet worden, wenn plötzlich all das Wasser zu Tale gerauscht wäre.
Die beiden die ganze Nacht Wache haltenden Polizisten hatten das Ereignis als erste bemerkt. Sie verständigten unverzüglich die auf der Unfallstelle anwesenden Verantwortlichen der Bauleitung. Direkt eingreifen konnte man nicht, doch war dies ein Warnsignal für die weiteren Ereignisse des Tages. Den ganzen Vormittag über drückten dann die Erdmassen zu Tale. Laut verschiedenen Beobachtungen soll innert vier Stunden eine Abwärtsbewegung von rund fünf Metern gemessen worden sein. Diese starke Bewegung trägt auch die Schuld daran, dass die beiden eingesetzten Bagger die Wasserrinne nicht mehr freizuhalten vermochten. Die Folge war dann der bereits erwähnte See oberhalb der Absturzstelle beim Wasserreservoir.
Die Bemühungen der Strassenarbeiter und der Leute von der Firma Leuthard aus Rümlingen waren insofern von Erfolg gekrönt, als tagsüber die Umfahrungsstrasse wieder zur Verfügung gestellt werden konnte. Der ganze Strasse entlang war während der Nacht bergseits ein Sickerrohr eingebaut worden, das einen grossen Teil der Wassermassen von der Strasse abhalten konnte. Es zeigte sich jedoch, dass man nicht um einen Bitumenbelag herumkommen wird, wenn die Strasse nicht praktisch ununterbrochen ausgebessert werden soll. Durch die Bauunterbrechung wurde auch bereits mit den Vorarbeiten für den neuen Installationsplatz und die Arbeitersiedlung begonnen. Am Gegenhang, den man auf seine geologische Struktur genau untersucht hat und von dessen Tragfähigkeit man überzeugt ist, wird die neue Siedlung entstehen.
Am späten Abend zeigte sich dann, dass erstens die Sissacher Feuerwehr abgelöst werden kann und zudem mehr Motorspritzen benötigt werden, um endlich den riesigen Wassermassen beizukommen. Die Feuerwehren von Liestal, Gelterkinden, Hölstein und Frenkendorf wurden zusätzlich aufgeboten. Als erste erschienen die Gelterkinder mit Blaulicht und Martinshorn, als ob es um einen Grossbrand ginge. Ruhiger langten darauf die Liestaler, die Hölsteiner und die Frenkendörfer an. Die ganze Nacht über waren diese Mannen eifrig am Werk und taten was in ihren Kräften stand. Ob sie zu Rande kommen, wird der Freitag zeigen.
Erfreulich ist weiter, dass die Bemühungen der Gemeinde Diegten, hier waren es vor allem Gemeindepräsident Hans Häfelfinger und Gemeinderat Alfred Huber, die Wasserversorgung sicherzustellen, von Erfolg gekrönt waren. Zuerst mit der Diegter Motorspritze und dann mit einer richtigen Wasserpumpe, wurde die Tiefbohrung angezapft und ans Leitungsnetz angeschlossen. Diegten ist also wenigstens in diesem Punkt seiner Sorgen enthoben.
Recht unterschiedlich sind die Schätzungen, die man über das Ausmass des Erdrutsches zu Ohren bekommt. Die übertriebendste Meldung lieferte die Presseagentur United Press, indem sie von einem halben Quadratkilometer berichtete. Bis am Mittwochabend waren es ganze 60 000 Quadratmeter, also der zehnte Teil der obigen Schätzung, die abgerutscht waren. Mit den nun neu zu Tale rutschenden Massen dürfte nun eine Fläche von rund 10 000 Quadratmeter, 10 Hektaren, erreicht sein.
Äusserst bedauerlich ist, dass die am Mittwoch gestellten Prognosen, wonach der Berg wahrscheinlich zum Stillstand kommen wird, sich nicht erfüllt haben. Sicher sind die Regenfälle vom Mittwoch, wie wir bereits selbst vorausgesagt hatten, nicht unschuldig an diesen neuerlichen Rutschungen. Zurzeit macht es den Anschein, dass alle Erdmassen des ganzen Hanges auf der bisherigen Breite von rund 200 Metern abrutschen werden. Tiefe Spalten an der Krete des Berges zeigen an, dass es sich um eine sehr ernst zu nehmende Rutschung handelt, welche die tiefsten Schichten erfasst hat und wahrscheinlich noch manche Überraschung bringen wird. Niemand wäre über ein Ende glücklicher als die Diegter, die in ihrem sonst ruhigen und zufriedenen Dorfe zu einer in der ganzen Schweiz vermerkten Berühmtheit gelangt sind.
Herzlichen Dank an Herr Werner Schmutz, er hat mir die Dokumente zur Verfügung gestellt.