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«Der Wolf ist tot! Zwei Schüsse peitschten in den frühen Morgenstunden des 15.05.1990 durch einen stillen Wald in der Nähe von Hägendorf im Kanton Solothurn. Sie töteten den Wolf, der seit Tagen das Baselbiet und den Kanton Solothurn unsicher machte.» So feierte die Boulevardpresse im Mai 1990 den Sieg der Jäger über die Bestie. Während drei Wochen hatte das Tier die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt und im Schafbestand der Gegend eine blutige Spur gezogen. Auf den Pressebildern waren neben dem zur Schau gestellten toten Wolf, Männer und Frauen mit zufriedenen Gesichtern und ehrfürchtig staunende Kinder zu sehen: Man hatte die Gefahr glücklich überstanden.
Hier die Artikel der Zeitung Volkstimme vom Mai 1990:
Dienstag 8 Mai 1990, die Volkswirtschafts- und Sänitätsdirektion Baselland warnt die Bevölkerung
Bereits 24 Schafe gerissen, Wolf verbreitet Schrecken im Baselbiet
Im Verlauf letzter Woche wurden im Bezirk Waldenburg durch die Schafbesitzer der Polizei sowie der Jagdverwaltung BL diverse Schafrisse gemeldet. Beginnend am Dienstag in Seewen mit 7 Tieren, Reigoldswil 2, Titterten 10 und Oberdorf 5, also insgesamt 24 Tiere.
Die Untersuchungen an den Kadavern ergab vorerst die Vermutung, dass es sich um einen Luchs handeln könnte, da alle luchstypischen Merkmale vorhanden waren wie Drosselbiss, starke Kratzspuren über dem Rücken und fehlendes Muskelfleisch. Was hingegen gegen den Luchs sprach, war die Häufigkeit der gerissenen Tiere, doch wurde vermutet, dass es sich um einen abgesprengten Jungluchs handelt, welcher des Reissens ungeübt war. Die vom Donnerstag auf den Freitag in Oberdorf gerissenen Tiere wurden unverzüglich zur weiteren Untersuchung an das Tierspital Bern weitergeleitet. Gleichzeitig wurden zwei durch das Bundesamt vermittelte Luchs Spezialisten aus Yverdon beigezogen.
In der Nacht auf Samstag ist es den Spezialisten aus Yverdon gelungen -um 23.30 Uhr in Oberdorf- den Übeltäter zu identifizieren. Man höre und staune; es handelt sich nicht um einen Luchs, sondern um einen Wolf, wobei es sich z.Z. unserer Kenntnis entzieht, wie dieser Wolf in freie Wildbahn gelangen konnte. Es ist in den fraglichen Gebieten durch die Jägerschaft eine Überwachung der in Frage kommenden Schafweiden organisiert worden und man versucht dem Tier habhaft zu werden.
Gleichzeitig wurde die Bevölkerung aufgerufen, in den betreffenden Gebieten die Wanderwege nicht zu verlassen und Hunde zwingend an der Leine zu führen. Akute Gefahr gegenüber dem Menschen besteht unmittelbar keine, doch sollten Dickichte neben den Wanderwegen sowie Querwanderungen durch die Wälder vermieden werden.

Freitag 11. Mai 1990, Der Wolf jetzt auch in Sissach?
Vermutlich kein Wolf, eher ein Luchs
Kein Wolf, eher ein Luchs, vor allem aber ein schlauer Fuchs: Der Schafe-Schreck, der im oberen Baselbiet sein Unwesen treibt, hat sich immer noch nicht erwischen lassen. Letzte Woche wütete er richtiggehend und hat gleich 24 Schafe gerissen. Diese Woche hat er sich bisher allem Anschein nach ruhig Verhalten.
Und immer noch weiss man nicht genau, wie der Räuber aussieht. Doch rückt man langsam von der anfänglichen Vermutung ab, es handle sich um einen Wolf. Spuren würden darauf hindeuten, dass ein Luchs die Schafe gerissen hat, verlautete aus dem Berner Tierspital, wo die Kadaver der Schafe untersucht wurden. Und ein weiteres Indiz deutet auf einen Luchs hin: Einem Pressebericht entnehmen wir, dass in Sissach Überreste eines halb aufgefressenen Fuchses gefunden wurden. Und kein Tier in der Gegend ausser dem Luchs hat auch den Fuchs auf dem Speiseplan. Auch ein Wolf nicht, falls er nicht völlig ausgehungert ist. Und das dürfte er nach 24 gerissenen Schafen nicht mehr sein. Gut möglich dass ein Luchs den Weg ins Baselbiet gefunden hat. Im Elsass, Im Kanton Jura und in Neuenburg wurden die grossen Katzen ausgesetzt. Schön wäre es wenn man den seltenen Räuber lebendig zurück bringen könnte.

Kein Wolf im "Wölflistein" - ein Hund!
In der Nacht auf gestern Donnerstag fielen auch in Sissach auf dem Hof Unterer Wölflistein zwei Schafe einem Räuber zum Opfer. Die zwei jungen Schafe sind nach ersten Erkenntnissen von einem grossen Hund gerissen und zu dreivierteln aufgefressen worden. Wie das (Raub)-Tier in die Weide eingedrungen ist, ist der Familie Breiter vom Wölflistein zur Zeit noch ein Rätsel, der Zaun ist elektrisch geladen. Eines der beiden toten Schafe wurde für weitere Abklärungen wiederum ins Tierspital nach Bern gebracht. Dort wird sich dann herausstellen ob die zwei Schafe aus Sissach nicht doch vom gleichen Räuber wie die 24 anderen Schafe gerissen wurden.
Donnerstag 17. Mai 1990
Der Wolf geht nicht mehr um
Es war ein Wolf, der im Baselbiet und im nahen Solothurn innert zwei Wochen 30 Schafe gerissen hat. Jäger Peter Allemann hat den 42 kg schweren Wolfsrüden in der Nacht auf letzten Dienstag mit einem präzisen Schuss aus rund 100 Metern Entfernung gestreckt. Woher der Wolf kam weiss niemand.
Dem Wolf wurde zum Verhängnis dass er zum Tatort zurückkehrte: In der Nacht auf Montag hatte er unterhalb des Schützenhauses in Hägendorf vier Schafe getötet und wollte in der Nacht auf Dienstag das Festmahl fortsetzen. Das haben die Wolfsspezialisten und Jäger geahnt. Die Jäger bezogen mit anbrechender Nacht Position auf einem Hochsitz nahe der Schafweide und warteten. "Die Schafe in der Weide sind um 00.30 Uhr plötzlich unruhig geworden und Rehe standen auf der Strasse", erinnern sich Peter Allemann und sein Jägerkollege Peter Christ. Und dann haben sie ihn gesehen, wie er auf einer Strasse daher kam. Trotz der spärlichen Beleuchtung -eine Strassenlaterne stand in der Nähe- traf Allemann den Wolf mit einem gezielten Schuss aus der Jagdbüchse in die Flanke. Das Tier sackte zusammen. Doch Vorsicht war angebracht: Noch schien der Wolfsrüde zu leben. Peter Christ besorgte mit einem Fangschuss aus 20 Metern Distanz den Rest.
Volksauflauf in Bärenwil
"Der Wolf ist tot" verkündeten die Radio Stationen und alle wollten ihn sehen. In Bärenwil nahe Langenbruck war er vor dem Restaurant "Chilchli" aufgebahrt. Rundherum standen die Schaulustigen, die von nah und fern angereist waren. Einen solchen Volksauflauf dürfte Bärenwil noch nicht erlebt haben. Ganze Schulklassen aus benachbarten Dörfern wurde vor Ort Naturkunde Unterricht erteilt. Pausenlos wurde fotografiert und rege diskutiert. "Schade um das schöne Tier", meinten die einen, "Zum Glück ist er endlich tot", sagten die anderen. Vor allem die Schafzüchter freuen sich auf ruhigere Nächte. Jäger Allemann wusste nicht, ob er sich über einen solchen Meisterschuss überhaupt freuen soll; "Ich habe viele giftige Bemerkungen gehört", sagte er zu Jägerkollegen. Denn viele Passanten waren der Ansicht, man hätte den Wolf auch lebendig fangen können.
Ein Schaulustiger berichtete in Bärenwil, er habe eine Nacht vorher beinahe den Wolf erledigt: "Meine vier Schafe wurden plötzlich unruhig. Als ich nachschaute, sah ich, wie der Wolf aus dem Wald kam. Ich rannte ins Haus und holte meine Pistole. Als ich zurückkam, war er aber schon wieder weg." So soll es in Trimbach geschehen sein. Jetzt darf man auch denjenigen glauben, die inständig behauptet haben, sie hätten den Wolf in Bennwil gesehen.
Viele geschädigte Schafzüchter hätten lieber einen Luchs als Täter gesehen. Denn Wölfe sind in der Schweiz längst ausgestorben, Und gegen etwas das es nicht gibt, kann man sich auch nicht versichern. So kommt es dass niemand die betroffenen Schafzüchter entschädigt. Immerhin hätte der Verkauf jedes gerissenen Zuchtschafes im Herbst dem Züchter zwischen 250 und 500 Franken eingebracht.
In Sissach war es der gleiche Täter
Der Wolf ist mit seinen 42 kg, seinen 1.50 Metern Länge und 80 cm Risthöhe ein ausgesprochen imposantes Tier. Bereits jetzt ist es beschlossene Sache, dass der Wolf ausgestopft wird. In welchem Museum er schliesslich gezeigt wird, ist heute noch nicht klar. Manche würden ihn am liebsten in Olten betrachten, andere im Museum von Solothurn. (Anmerkung: Zu bewundern ist er heute im Natur Museum in Olten)
Die aufregende Jagd hat also ihr Ende gefunden. Oder doch nicht?
Als auf dem Hof "Wölflistei" in Sissach zwei Schafe gerissen worden sind, haben die Fachleute davon gesprochen, das Unheil sei von einem wildernden Hund angerichtet worden. Heute aber geht man davon aus, dass nur der geschossene Wolf für die Tat in Frage kommt. Vize-Präsident der Jagdgesellschaft Sissach, Gottfried Jezler, sagte auf Anfrage der "Volksstimme": "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass der Wolf auch in Sissach war." Jezler ist froh darüber, dass das Tier erlegt ist:
ohne Waffe hätte ich dem Wolf nicht begegnen wollen." Der Jäger meinte allerdings einschränkend, dass Menschen wohl nicht in Gefahr gewesen sind. In der Schweiz gäbe es genug Wild und Schafe und ein satter Wolf werde dem Menschen nicht gefährlich. Jezler findet es auch aus einem weiteren Grund in Ordnung, dass der Wolf tot ist: "Hätte man ihn einsperren sollen?" Die Gefangenschaft sei für einen Wolf grausamer als der Tod.
Nachdem der Rummel in Bärenwil vorbei war, wurde das kapitale Tier weggeschafft: ins Tierspital nach Bern. erst dort werden dann Spezialisten herausfinden können, ob der Jäger wirklich ein Wolf war, oder "nur" ein Wolfshund. Denn so genau lässt sich das von blossem Auge nicht feststellen.
Anmerkung: Es war ein richtiger Wolf! Viele dieser ehemaligen Aussagen lassen mich heute schmunzeln, zumal man heute weiss, dass der Wolf dem Menschen nicht gefährlich wird. Weltweit sind nur ganz wenige Fälle bekannt, wo ein Wolf einen Menschen angegriffen hat.

Damals sangen die Schulkinder vor dem aufgebahrten Wolf in Bärenwil: "Der Wolf ist tot, der Wolf ist tot"

Ganz Herzlichen Dank an die Zeitung Volksstimme, ich durfte in ihrem Archiv diese Artikel raussuchen und kopieren.

Ebenfalls Herzlichen Dank an Herrn Peter Allemann, den damaligen Schützen. Er hat mir den Plan der Abschussstelle erstellt.

Falls noch jemand Fotos oder Presseartikel über den "Wolf von
Hägendorf" hat, wäre ich dankbar wenn ich dieses Material hier veröffentlichen darf.
Ein Ausgerotteter wird in den nächsten Jahren zurückerwartet – der Wolf
Bei der Frage, wann er den Weg ins Baselbiet findet, variieren die Prognosen der Experten. Urs Tester von Pro Natura: «Es gibt Beobachtungen, aber noch keinen genetischen Nachweis des Wolfs im Jura. Ziemlich sicher kommt er in den nächsten Jahrzehnten.» Wildbiologe Darius Weber: «In fünf Jahren ist er im Jura. Dann geht es schnell, bis er bei uns ist.» Und Ignaz Bloch: «Ich rechne damit, dass der Wolf in den nächsten fünf Jahren von Südwesten her zu uns kommt.» Jan/2010

Vielleicht war der Wolf schon hier
Der letzte Baselbieter Wolf wurde vor über 200 Jahren geschossen. Jetzt soll das Rudeltier wieder auf dem Weg in unsere Region sein. Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, will nicht ausschliessen, dass einzelne Tiere bereits in unsere Breitengrade vorgestossen sind.
Der Wolf kommt bei uns nicht alleine in den Märchen vor, er könnte sehr wohl bereits jetzt durch die Oberbaslbieter Wälder streifen. Der Sissacher Urs Chrétien hält das nicht für ausgeschlossen. "Vielleicht war der Wolf sogar schon hier" sagt der Geschäftsführer von Pro Natura Baselland. "Vielleicht kommt er in den nächsten Jahren". Damit bestätigt er einen kürzlichen Bericht der "TagesWoche".
Als Naturschützer freut sich Chrétien selbstverständlich darüber, dass das Rudeltier ins Baselbiet zurückfinden könnte. Er versteht aber auch die Leute, die seine Begeisterung nicht teilen und sich vor dem Wolf fürchten. "Diese Angst ist aber völlig unberechtigt", erwidert ihnen Chrétien. "Wölfe sind menschenscheu und fallen keine Personen an. Nur bei Nutztieren wie Schafen kann es Probleme geben." Fakt ist, dass der Wolf wohl geschützt ist, aber ab einer gewissen Anzahl gerissener Nutztiere in einer bestimmten Zeit zum Abschuss freigegeben werden kann.
Bevor der Wolf im Baselbiet überhaupt Schafe reissen kann, muss er erst den richtigen Weg einschlagen. Allerdings ist schon länger die Rede von Wolfsbeobachtungen in der Region, Beweise dafür fehlen aber noch, weil der Wolf ein äusserst vorsichtiges, unauffälliges Tier ist. Der Wolf ist sehr mobil und würde das ganze Baselbiet als Revier beanspruchen. Doch Autobahnen und Strassen erschweren ihm das Durchkommen und stellen für ihn eine Lebensgefahr dar.
Im Wallis hat der Wolf in den letzten Jahren für Schlagzeilen gesorgt, weil er dort zahlreiche Schafe gerissen hat. Chrétien glaubt aber nicht dass dem Baselbiet das Gleiche blühen könnte. "Es kann wohl zu Problemen kommen, aber es gibt bei uns im Vergleich zum Wallis kaum unbeaufsichtigte Schafe."
Der letzte Baselbieter Wolf wurde vor über zwei Jahrhunderten, nämlich 1807, geschossen. Der letzte offiziell bekannte Aufenthalt eines Wolfs in unseren Breitengraden liegt hingegen erst rund 20 Jahre zurück. Der "Wolf von Hägendorf" wurde keine 20 Kilometer von Sissach entfernt erlegt.
Text: Samuel Zumbrunn, Volksstimme 27.01.2012

Wer ist der Wolf? Video von Netz Natur

Der Wolf nähert sich der Region auf leisen Pfoten
Weil Wölfe unberechenbar sind und lange Strecken zurücklegen, halten sich Experten mit Prognosen zurück. Aber sie sind sich nach dem ersten gesicherten Nachweis im Neuenburger Jura (Mai 2013) einig: Schon morgen könnte der erste Wolf im Baselbiet sein.

Der Wolf im Baselbiet? Was für viele undenkbar ist, ist für die Fachwelt alles andere als abwegig. Dies erst recht, seit im Mai im Kanton Neuenburg zum erstenmal seit 186 Jahren ein Wolf im Schweizer Jura genetisch nachgewiesen werden konnte. Speichelproben haben ergeben, dass es sich um ein Tier aus der italienisch-französischen Population handelt.

Wolf Fachmann Ralph Manz sagt: " Der Jura und somit auch das Baselbiet ist geeignet für den Wolf, denn er braucht grosse zusammenhängende Wälder, Beutetiere und ein bisschen Ruhe, um die Jungtiere aufzuziehen."

Manz ist bei Kora für das Wolfsmonitoring zuständig: Kora wiederum ist jene Organisation, die sich in der Schweiz um die Forschung und das Management von Grossraubtieren kümmert. Manz betont, dass der Wolf immer wieder für Überraschungen gut sei. Deshalb sei alles Spekulation, was nicht zu 100 Prozent auf Fakten abgestützt sei. So einer sei, dass sich die italienisch-französische Wolfspopulation in einer Ausbreitungsphase befinde, wovon seit 1995 auch die Schweiz betroffen sei. Doch wie diese Ausbreitung künftig verlaufe, sei eben - Spekulation.

Entsprechend offen antwortet Manz auch auf die Frage, wann denn der erste Wolf im Baselbiet auftauchen könnte: " Das ist vielleicht morgen, vielleicht in ein paar Jahren, vielleicht war er aber auch bereits hier, ohne dass ihn jemand gesehen hat." Mit Letzterem spielt Manz darauf an, dass vor zwei Jahren bei Köln ein Wolf ebenfalls aus der italienisch-französischen Population von einem Jäger illegal geschossen wurde, der auf seinem langen Weg auch das Baselbiet durchquert haben könnte.

Ähnlich wie bei Manz tönt es auch bei den andern angefragten Fachleuten. So sagt der Baselbieter Kantonstierarzt und Jagdverwalter Ignaz Bloch: "Es ist ein reales Szenario, dass der Wolf zu uns kommt. Der Zeitpunkt hingegen ist offen, das kann schon in den nächsten Tagen sein. Wölfe laufen grosse Strecken. Als Lebensraum würden sich wie beim Luchs das Blauen- das Belchen-Passwang-Gebiet am besten eignen, sagt Bloch und fügt leicht skeptisch an: "Die Frage ist: Wie ist die Akzeptanz bei den Leuten und Jägern, wenn der Wolf da ist? Vielen macht schon der Luchs Bauchweh."

Ausgesprochen kein Bauchweh bereitet die wahrscheinliche Rückkehr des Wolfs bei Pro Natura. Mirjam Balmer, die bei der grössten Schweizer Naturschutzorganisation für die Grossraubtiere verantwortlich ist, sagt: " Wir freuen uns, der Wolf angestammte Lebensräume wieder zurück erobert. Er gehört in den Jura, wo er vor seiner Ausrottung Tausende von Jahren heimisch war." Allerdings, so stimmt Ballmer in den Experten-Chor mit ein, sei es schwierig zu sagen, ob der unberechenbare Wolf morgen oder erst in fünf Jahren ins Baselbiet komme. Klar sei aber, dass seine Präsenz im Jura zunehmen werde.

Wölfe sind anpassungsfähige Tiere, so auch bei der Nahrung. In der Schweiz jagen sie vor allem Rehe und Gämsen, verachten aber auch Schafe nicht. Die Schafhalter in den Alpen gehören denn auch zu den erbittertsten Wolfgegnern. Diese Problematik ist im Baselbiet zwar klein, aber nicht gleich Null. Denn laut Bloch gibt es im Kanton rund 20 Schafhalter mit neunzig und mehr Tieren.

Vorbehalte gibt es denn auch beim obersten Verantwortlichen im Kanton in Sachen Wolf. Regierungsrat Thomas Weber sagt auf die Frage, was er als Volkswirtschaftsdirektor und Schafhalter von der Rückkehr des Wolfes halte: "Grundsätzlich ist die Frage bei uns nicht akut, aber von der Besiedlung und der landwirtschaftlichen Nutzung des Baselbiets her wäre das sicher problematisch." Und Weber weiter: "Als Halter einer kleinen Schafherde stehe ich dem Thema natürlich eher skeptisch gegenüber, obwohl ich Wölfe, Bären und Luchse absolut faszinierende Tiere finde."

Kora schätzt den Wolfsbestand in der Schweiz auf 15 bis 20 Tiere. Dazu gehört auch ein kleines Rudel mit Nachwuchs im Calanda-Gebirgsstock nordwestlich von Chur, wofür es im letzten Jahr erstmals sichere Indizien gab. In den vergangenen Jahren wurden Wölfe regelmässig in den Kantonen Wallis, Bern, Freiburg, Graubünden, Tessin, Luzern und Obwalden nachgewiesen.
Text: Andreas Hirsbrunner, Basellandschaftliche Zeitung 11.07.13